5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

04.02.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Das ist mir heilig, sagen wir von Dingen oder Gewohnheiten, die uns besonders wichtig sind.
Wenn wir zur Feier des Sonntags zusammenkommen, dann geht es auch um dieses „Heilig".
Es geht um etwas, das uns Christen besonders wichtig, das durch nichts zu ersetzen und das letztlich unveränderbar ist, auch wenn der Ladenschluss fallen wird.
Heilig darum, weil wir erst durch die Berührung mit Gott unsere eigene tiefe Bedeutung erkennen können. Sein Erbarmen rufen wir auf uns herab ...

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 5,1-11 )

Als Jesus am Ufer des Sees Genesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören.
Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!
Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten.
Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen.
Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.
Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

Predigt/Ansprache

Einige von Ihnen kennen sicher das wunderbare Bilderbuch Frederick von Leo Linni, immer wieder aufgelegt, erfreut das Buch seit 40 Jahren Alt und Jung.
Erzählt wird die bezaubernde Geschichte von der Maus Frederick, der für den Winter nicht Körner und Nüsse sammelt wie alle anderen Mäuse, sondern Sonnenstrahlen, Farben und Wörter.
Zunächst wird Frederick als Spinner verlacht und den Mäusen fehlt es ja auch an nichts.
Als aber im Winter die Essensvorräte aufgebraucht sind, kommt es der Mäusefamilie plötzlich sehr kalt vor und trist zwischen den Steinen der alten Mauer, in der sie wohnen.
Das ist nun der Augenblick für Frederick.
Mit seinen Vorräten an Sonnenstrahlen, Farben und Wörtern vertreibt er den grauen Winter aus ihren Herzen und schenkt ihnen neue Lebensfreude.
Das Buch ist für mich ein Gleichnis dafür, was Worte bewirken und verändern können.
Um die Bedeutung und die Kraft des Wortes geht es auch Lukas in dem Bericht, den wir gerade gehört haben.
Es muss noch früh am Morgen gewesen sein am Ufer des Sees Genesaret; die Fischer sind eben zurückgekommen von ihrer nächtlichen Arbeit und waschen nun ihre Netze.
Und doch hat sich schon ein regelrechter Volksauflauf gebildet, drängen von überall her die Menschen ans Ufer. So ein Gedränge kennen wir höchstens vom ersten Tag eines Schlussverkaufes, aber das hier sind keine Schnäppchenjäger.
Die Frauen und Männer strömen herbei, weil sie Jesus hören wollen, den Wanderprediger aus Nazaret. Sie erdrücken ihn gerade zu, um aus seinem Mund von Wort von Gott zu hören.
Das ist schon erstaunlich. In den Tagen davor waren Kranke zu ihm gebracht worden und er hatte sie alle geheilt.Und jetzt bedrängen sie Jesus schon wieder, aber diesmal um ihn zu hören.
Was man so gerne sagt, stimmt also doch nicht: die Gesundheit ist das Wichtigste!
Diese Menschen kennen noch eine größere Sehnsucht als die nach körperlicher Heilung und Gesundheit. Sie sind hungrig nach einem Wort, das sie aufleben lässt und mit neuer Hoffnung erfüllt; sie sehnen sich nach einem Wort, das aufrichtet und befreit.
Sie kommen, weil sie spüren: Jesus hat solche Worte.
Hier ist ein Prophet, wie ihn der alte Prophet Jesaja geweissagt hat: einer, der den Armen eine gute Nachricht bringt.
Und Jesus lehrt. Gibt ihnen, wonach sie hungern.
Er steigt dazu ins Boot des Simon und lässt sich von ihm ein wenig vom Land wegrudern.
Jesus, der Menschenfischer, der mit seinen Worten ein Netz knüpft, um damit einen großen Fang einzuholen.
Lukas erzählt nicht, welche Worte Jesus für die Menge findet.
Aber er erzählt uns, was diese Worte bewirken, wenigstens bei Simon und seinen Fischerkollegen.
Als Jesus den Simon auffordert, weiter hinauszufahren auf den See und die Netze noch einmal auszuwerfen, da muss der Beruffischer ganz schön verduzt gewesen sein.
Der Vorschlag eines Laien, der von der Sache nichts versteht: die aus Leinen gefertigten Schleppnetze sind im Tageslicht für die Fische sichtbar und werden deshalb nur Nachts eingesetzt.
Jetzt also zu versuchen, was nächtens nicht funktioniert hat, ist doch aussichtslos, ja lächerlich.
Gegen allen Sachverstand und gegen alle Vernunft, wagt Simon es trotzdem: doch wenn du es sagst ...
Das Wort Jesu gibt Mut zur Hoffnung, auch da noch, wo alles aussichtslos scheint.
Nicht nur Simon überwindet seine Skepsis und seine Angst, auch seine Mitarbeiter im Boot machen mit, trauen dem Wort Jesu. Das ist nicht selbstverständlich!
Sie hätten Simon auch auflaufen lassen können, hätten sich über ihn lustig machen können
wegen seiner Vertrauensseligkeit. Wenn sie nicht Hand angelegt hätten beim Auslegen der Netze, dann hätte es keine wunderbaren Fischfang gegeben.
Damit sich in Lebensgemeinschaften und Gemeinden Gutes und Wunderbares ereignet,
braucht es Menschen, die sich anstecken lasse und mitmachen. Nörgler und Skeptiker, die alles lahmlegen und immer nur die Handbremse ziehen, gibt es schon genug.
Die Fischerkollegen des Simon machen jedenfalls mit, lassen sich ein auf ein Wagnis.
Wir haben noch im Ohr, wie es ausgegangen ist - die Netze sind bis zum Zerreißen gespannt,
ein zweites Boot muss herbei gewunken werden, Hilfe beim Entladen ist notwendig
und dennoch wiegt schwer die Last in den Booten.
Das Wunder zwingt Petrus. Er weiß sich plötzlich in der Gegenwart des Heiligen, denn so einen Fang, hat kein Fischer je aus eigener Kraft zu Stande gebracht.
Da erschrickt man, wird sich bewusst seiner Kleinheit und seiner Sündhaftigkeit.
Die Nähe zu Jesus wird so für Simon unerträglich, aber Jesus macht ihm Mut: Fürchte dich nicht!
Das ist ein Wort mit großer befreiender Wirkung.
Es bedeutet: schau nicht länger auf dich und deine Unzulänglichkeit, schau auf mich!
Das heißt auch: du brauchst dich nicht auf deine eigene Kraft verlassen.
Da, wo du mit deiner Weisheit am Ende bist, wo du an deiner Schwachheit leidest, da kann ich anfangen zu wirken und dich überreich beschenken.
Eine Rückkehr zum normalen Fischerdasein kommt für Petrus nach dieser Gotteserfahrung nicht mehr in Frage.
Der Aufbruch zu Neuem ist Verheißung und Aufforderung: Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
Leider ist im Deutschen das Wortspiel nicht wiederzugeben, das Jesus gebraucht.
Im Griechischen stehen zwei Wörter für das Wort fangen: das eine Wort meint: Fische fangen und töten und sie auf dem Markt verkaufen;
beim andere Wort zoogreo geht es um das Weiterleben der Fische, weil sie von einem in ein anderes Gewässer gebracht werden.
Von jetzt an sollst du Menschen fangen meint: in den Lebensbereich Jesu hineinbringen, daran teilhaben lassen. Sofort und kompromisslos beginnt der Aufbruch ins neue Leben.
Sobald die Männer die Boote ans Ufer gezogen haben, lassen sie alles zurück und folgen Jesus.
Wir erfahren nicht einmal mehr, was mit den Massen an Fischen geschieht.
Lukas will damit noch einmal unterstreichen: der Hunger nach dem Wort ist größer als der Hunger nach Nahrung.
Und auch dies: wer Gottes Wort vernommen hat und seine Gegenwart hautnah erfahren hat,
kann vieles, vielleicht auch alles zurücklassen, was er bisher mit sich herumgeschleppt hat,
wofür er sich bisher abgerackert hat.
Kann wirklich Neues beginnen, weil man begonnen hat, dem zu trauen, der alle unsere Mängel ausgleicht zu seiner Zeit und in seinem übervollen Maß.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Zu Gott, der durch seinen Sohn allem Lebendigen Anteil gibt an seiner Heiligkeit, rufen wir:


+ für unsere Welt, die unheilig und heillos ist in den nicht enden wollenden Kriegen und Gewalttaten ...

Heiliger, starker Gott ... Herr, erbarme dich ...

+ für unsere Kirche, die für die Heiligkeit des Lebens eintritt in den verschiedenen Hilfswerken,
die sich im Schutz und im Beistand für das Leben vom Anfang bis zum Ende engagiert ...

+ für unsere Gemeinden am Ort, die das Netz des Glaubens auswirft in der Förderung und Begleitung von Jugendlichen, im Betreuen der Alten und Kranken ...

+ für die Menschen in unserer Umgebung, die nach etwas Heiligem suchen in den vielfältigen religiösen Bewegungen, auf dem Markt der Esoterik und der neuen Religionen ...

+ für unsere Verstorbenen, für die wir um die ewige Gemeinschaft in Gottes Heiligkeit bitten ...

Heiliger Gott, du rufst deine Schöpfung in die Gemeinschaft mit dir durch deinen Sohn Jesus Christus.
Darum preisen wir dich mit allen Geschöpfen jetzt und bis zur Ewigkeit. Amen

Segensgebet

Gott des Aufbruchs, segne uns,
wenn wir dein Rufen vernehmen,
wenn deine Stimme uns lockt,
wenn dein Geist uns bewegt
zu Aufbruch und Neubeginn.

Gott des Aufbruchs, leuchte auf unserem Weg, begleite und behüte uns,
wenn wir aus Abhängigkeiten fliehen,
wenn wir uns von Gewohnheiten verabschieden,
wenn wir festgetretene Wege verlassen,
wenn wir dankbar zurückschauen
und doch neue Wege gehen.

Gott des Aufbruchs, leuchte auf unserem Weg,
wenn die Ratlosigkeit uns fesselt,
wenn ich fremdes Land betrete,
wenn ich neue Schritte wage auf meine Reise nach innen.

Gott des Aufbruchs,
sei mit uns unterwegs hin zu uns selbst,
zu den Mitmenschen und zu dir.
Segne uns: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen