Fest des Hl. Johannes des Tauefers, Lesejahr C

24.06.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wenn es um die Feier von Geburtstagen geht, ist die Kirche mit Gottesdiensten zurückhaltend.
Um so bedeutender wirkt es dann, wenn sie wie heute bei Johannes dem Täufer den Geburtstag feiert.
Bei dem Mann, der nicht selbst, sonder als Vorläufer groß ist.
Er geht seinem noch unbekannten Herrn voraus und kündigt die Erfüllung aller Prophezeiungen an.
Er kennt seine eigene Vorläufigkeit und weist auf einen anderen hin, auf Jesus.
Die Kirche feiert wohl darum seinen Geburtstag, weil ihr Wesen seinem Wesen ähnlich ist.
Denn auch sie kündet nicht von sich selbst, sondern von ihm, der der Knecht Gottes ist,
der Licht und Heil bringt für alle.
IHN ehren wir mit dem Ruf um Erbarmen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 6,27-38 )

Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabet.
Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn.
Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter.
Eines Tages, als seine Priesterklasse wieder an der Reihe war und er beim Gottesdienst mitzuwirken hatte,
wurde, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los geworfen, und Zacharias fiel die Aufgabe zu, im Tempel des Herrn das Rauchopfer darzubringen.
Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete.
Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars.
Als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es befiel ihn Furcht.
Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben.
Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.
Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.
Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren.
Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.

Predigt/Ansprache

Ob wir es glauben oder nicht: das Naturjahr hat seinen Höhepunkt erreicht und auch schon überschritten. Den Tag mit der längsten Helligkeit hatten wir am Donnerstag.
Noch einmal Spargel genießen und Erdbeeren. Auch wenn der Sommer erst begonnen hat,
sagt nicht nur die Schokoladen-Nikolaus-Industrie nüchtern: es ist höchste Zeit, an Weihnachten zu denken.
Auf der exakt anderen Seite des Jahres wartet ein anderer Geburtstag.
Das Johannesfest und die Sommersonnenwende geben den weitvorausblickenden Marketingplanern recht.
Johannesfest ist Zeitansage.
Es geht nun wieder auf die Zeit der Ernte und des Sammelns zu. Das Dunkel wächst, unmerklich zunächst. Gibt es ein Licht, das nie abnimmt?
Wir Christen glauben: wir gehen der Sonne entgegen!
Es geht auf den Geburtstag der Sonne der Gerechtigkeit zu, die nie schwächelt oder untergeht.
Das Jahr nimmt ab, wird magerer wie ein Abreißkalender.
Und wir gehen auf Tage zu, an denen wir im zunehmendem Dunkel gute Wegbegleiter und verlässliche Wegweiser brauchen.
Darum taucht rechtzeitig, am Anfang des Sommers, der Mann auf, der uns an den Advent erinnert: Johannes der Täufer.
Da kommt einer auf die Welt, der nicht nur verwandtschaftlich tief in die Geschichte Jesu hineingehört; er wird nicht nur die drängende Zeit Gottes ansagen und die Nähe dessen aufspüren, der längst unerkannt mitten unter den Menschen steht.
Johannes ist Christus voraus. Genauer: er ist dem voraus, der ihm doch zuvor ist.
Dieser Mann sagt Seltsames von sich: Jener muss wachsen, ich aber geringer werden.
Ein seltsames Lebensprogramm. Ein geistlicher Kommentar zur Sommersonnenwende!
Die hellen Tage werden abnehmen, und das Jahr dem Geburtsfest des Erlösers entgegengehen.
In der Begegnung mit Christus wird Johannes erfahren: ich wachse nur im Kleinerwerden.
Wer verliert schon gerne politisches Gewicht und räumt freiwillig einen machtvollen Posten?
Wer rückt schon gerne aus freien Stücken aus der Mitte an die Flanke, aus dem Zentrum an den Rand?
Johannes erkennt: Ich wachse nur in der mir von Gott zugedachten Aufgabe: wenn ich ihn neben mir hochkommen lasse, wenn ich diesem anderen neidlos das Feld überlasse, ich gewinne, wenn ich verliere - selbst meine Anhängerschaft, die zu Jesus übergelaufen ist.
Ich gewinne, wenn ich rechtzeitig einsehe, dass meine Zeit abgelaufen ist.
Ich gewinne, wenn ich mein allzu drohendes Gottesbild, mein allzu starres Messiasbild ablege und neu dazulerne.
Wir Älteren erleben, dass uns Kinder am Computer, beim Erlernen der Sprachen oder eines Musikinstrumentes überlegen sind, dass sie unter Umständen größer sind als die Großen.
Sie wachsen nicht nur körperlich über die Großen hinaus.
Das nehmen wir noch hin, ab er damit ist noch nicht das Johannes-Motiv getroffen: er muss wachsen, ich aber geringer werden.
Einen solchen Satz kann nur ein starkes Ich, eine starke Persönlichkeit sagen: also ein Mensch, der sich nicht aufgibt oder hängen lässt.
Für einen solchen Satz brauchte auch Johannes Zeit.
Das ist ihm nicht in die Wiege gelegt.
Seine Geburt lässt ja Großes erahnen.
Er beginnt seinen Weg in der Wüste und am Jordan als faszinierende Persönlichkeit,
die es versteht, die Massen zu bewegen. Er ist der gewaltige Mann auf der Schwelle zu Neuem.
Der Bußprediger, der die Menschen fordert, weil er ihnen zutraut: ihr seid verbesserlich, wandelbar, wird mehr und mehr zum Wegweiser, der sich nicht ungebührlich in den Weg stellt und aufhält.
Das ist nicht Raubbau an seiner Position, das ist vielmehr die Konsequenz seines vorlaufenden Dienstes. Jesus selbst erklärt ihn zum Größten, den je eine Frau geboren hat.
Man kann Johannes unmöglich übertreffen, nur unterbieten.
An die Stelle von schneller, höher, weiter, wichtiger, einflussreicher kommen bei ihm die Worte wie tiefer, kürzer, langsamer, wesentlicher.
Johannes ist im Glauben Realist genug, seine Größe und seine Grenze zu akzeptieren.
Jener muss wachsen, ich aber geringer werden.
Gilt dieses Lebensprogramm auch für die Kirche?
Viele fragen besorgt: Was wird aus dieser Kirche noch werden?
Verblasst und verglimmt das Licht des Christlichen?
Die Kirche steht - wie das Jahr- unter dem Wechsel, im Übergang, sie nimmt sichtlich ab.
Viele verlieren den Glauben, viele die Sitte, einige auch die geistige Heimat.Vieles in der Kirche nimmt zahlenmäßig ab.
Manche stöhnen, wir seien auf einem absteigenden Ast. Untergangsstimmung macht sich breit. Die einen reagieren mit ohnmächtigen Sich-Schicken in das Unvermeidliche,
andere mit Verdrängung oder Jetzt-erst-recht-Aktivität.
Wenn sich die Kirche entschlackt, wenn sie abnimmt und sich -wie es heißt - auf das Kerngeschäft konzentriert, dann kann der eigentliche Kern wieder aufleuchten, dann kann die Gemeinde an Profil und Deutlichkeit gewinnen.
Das freilich ist keine Automatik denn der Prozess des Abnehmens muss sachkundig begleitet sein, wie eine Fastenkur beim Arzt.
Vieles an Altem, Gewohnten wird lautlos verschwinden; andere Traditionen werden dafür ganz neu entdeckt.
Die Kirche wird Anhänger verlieren und Aufgaben abgeben.
Sie wird einen Prozess durchlaufen, an dessen Ende ihr vielleicht eine bescheidenere Aufgabe zugewiesen wird: Leuchte zu sein für das Licht, Stimme für die Wehrlosen und für das leise Wort Gottes. Nichts Spektakuläres also - die Kirche als Begleitfigur Christi.
Ja selbst im eigenen, im privaten Leben müssen wir immer wieder Überflüssiges zurücklassen
und uns auf den heißen Kern besinnen.
Das ist sicherlich nicht einfach, so wie es auch ein Christentum light nicht geben wird.
Meine Aufgabe ist es, Platz zu schaffen, damit Gott kommen kann, sagte Kierkegaard
und Papst Benedikt 2005 vor den Jugendlichen in Köln:
Wer Bequemlichkeit will, ist bei Christus an der falschen Adresse.
Er muss wachsen, ich aber geringer werden.
Wir tun uns einen Gefallen, wenn wir staunen, was aus diesem Kind geworden ist.
Er hat sich zurückgenommen, aber damit hat er sich nicht erledigt.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Im Vertrauen auf die Fürsprache Johannes des Täufers
rufen wir zu Gott, der den gesandt hat, nach dem die Welt sich sehnte:


+ Johannes hat von sich weg auf Jesus hingewiesen.
Wir empfehlen Gott alle, die durch ihr Wirken und ihren Glauben andere zu Christus führen ...

Gott, du Licht in der Finsternis ... Herr, erbarme dich ...

+ Johannes hat danach gefragt, ob Jesus der sei, der kommen soll.
Wir empfehlen Gott die von der Kirche Beauftragten, die an ihrem Auftrag zweifeln, die innerlich müde geworden sind und sich ausgebrannt fühlen ...

+ Johannes ist unbeugsam den Mächtigen gegenüber getreten.
Wir empfehlen Gott alle, die unbeirrt für die Rechte der Menschen eintreten und dafür Folter und Gefängnis und Verfolgung in Kauf nehmen ...

+ Johannes wurde von Jesus als groß im Himmelreich gepriesen.
wir beten für alle Verstorbenen, die Zeit ihres Lebens nach dem Willen Gottes gefragt haben ...

Großer Gott, schon im Schoß der Mutter hat Johannes deinen Sohn erkanntund als Herrn begrüßt.
Wir danken dir, dass du uns aufgenommen hast in die Gemeinschaft deines Sohnes.