Kirchweih Jubilaeum, Lesejahr C

14.10.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Auf einer Tour durch Bayern habe ich mir einige Kirchen angeschaut.
Über manchen Portalen stand der Spruch: hic est porta coeli - das ist das Tor zum Himmel.
Angst und Machtansprüche haben den Glauben an dieses Himmelstor erschwert und für manche die Tür verschlossen. Und doch ist die Kirche - in welcher christlichen Konfession sie sich auch ausformt, ein Raum Gottes in unseren Lebensräumen.
Da sollen wir Ruhe finden und Kraft, da sollen wir heil werden und versöhnt; da soll Angst überwunden werden.
Christus selbst ist die Tür dorthin, der Heil ist und Frieden, der Angst nimmt und Stärke gibt.
Ihn rufen wir um Erbarmen an.

Aus dem heiligen Evangelium nach ()

Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen"?
Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, welche dessen Früchte bringen wird.
Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf welchen irgend er fallen wird, den wird er zermalmen. Und als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß er von ihnen rede.
Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten.

Predigt/Ansprache

So wie jeder Vogel ein Nest baut, so steckt auch in uns Menschen das Verlangen zu bauen
und etwas aufzubauen.
Schon im Kindergarten kann man beobachten, wie die Kinder mit ihren Bauklötzchen Türme,
Brücken und Häuser bauen.
Uns Menschen drängt es, sich eine Existenz aufzubauen. Das ist keine bloß oberflächliche Beobachtung, sondern darin enthüllt sich eines der tiefsten Wesensmerkmale des Menschen überhaupt: wir alle haben in uns die Veranlagung und die Begabung, uns ein Zuhause aufzubauen, eine Welt zu errichten, in der man gut leben kann.
Mit dieser Begabung zum Architekten und Baumeister hat Gott uns Menschen geschaffen.
So kann der Text aus dem ersten Petrusbrief nahtlos an diese rege menschliche Bautätigkeit anknüpfen: Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen.
Auf den ersten Blick mag es so scheinen, als habe dieses geistige Haus nichts mir den irdischen Häusern zu tun und die lebendigen Steine nichts mit Bausteinen aus Ziegel oder anderem Gestein, aus denen der Bau unserer Kirchen errichtet wurde.
Aber das gilt nur auf den ersten Blick, Denn in Wirklichkeit ist beides aufeinander bezogen.
All die Gebäude und Bauwerke, die wir Menschen errichten, sind kalt, trostlos, leer und tot,
wenn sie nicht mit Geist und Leben erfüllt werden.
Wenn Menschen klug bauen - und das wissen wir aus dem Evangelium, dass Gott die klugen Bauleute liebt, die ihr Haus nicht in den Sand setzen - wenn Menschen klug bauen, dann werden sie immer zugleich an beidem bauen, an dem Haus aus Mörtel und Steinen und am geistigen Haus des Lebens.
Beides muss ineinander greifen: der materielle und der geistige Hausbau, sonst geschieht es, dass eine junge Familie sich ein Haus baut mit viel Engagement, Eigeninitiative und Mühen,
und beim Fertigstellen des Hauses feststellen muss, dass sie innerlich inzwischen verfallen ist.
Die Familie muss intakt sein, sonst nütz kein noch so schöner Hausbau.
Wenn eine Kirche in einem schlechten Zustand ist und langsam verkommt, dann ist das ärgerlich und traurig. Aber trotz allem wäre es ärgerlicher und trauriger, wenn die dazugehörige Kirchengemeinde in einem miserablen Zustand wäre.
Vergesst nicht am geistigen Hausbau zu arbeiten, vergesst nicht, euch zu sorgen um den Geist und das Leben, das in der Gemeinschaft herrscht: in der Familie, im Stadtteil, in Kirche und Welt.
Vergesst nicht zu bedenken, dass in unserem täglichen Handeln die Arbeit für das materielle wohl die Mühe um das geistliche Wohl zu überlagern droht!
Und vergesst nicht, dass noch ein großer Unterschied besteht zwischen dem Hausbau aus Stein und Mörtel und dem geistigen Hausbau.
Für ersteren kann man eine Baufirma beauftragen und dafür zahlen und wer genügend Geld hat, der kann sogar ganz ohne Eigenleistungen auskommen.
Für den geistigen Aufbau einer Gemeinschaft nützt Geld dagegen relativ wenig.
Dabei kann man auch nicht andere für sich arbeiten lassen, sondern jede und jeder muss sich selbst einbringen mit den eigenen Fähigkeiten und Begabungen.

In Dankbarkeit feiern wir heute dieses Kirchweihfest.
In Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die unsere Kirche am Ort vor mehr als fünfzig Jahren gebaut haben und an deren Erhaltung und Ausschmückung jede Generation weitergearbeitet hat.In Dankbarkeit für dieses Haus aus Stein, aber in noch größerer Dankbarkeit für die Menschen, die dieses Haus aus Stein mit Geist und Leben füllen.
Das ist unsere eigentliche Berufung als Christen: auf dem Grundstein, den Jesus Christus gelegt hat und der er selber ist, weiterzubauen und das Gebäude mit gutem Geist zu erfüllen:
mit dem Geist des Glaubens und der Hoffnung, mit dem Geist eines guten Miteinander und der geschwisterlichen Liebe, mit dem Geist des Füreinanders und der gegenseitigen Hilfe,
mit dem Geist, den Kirche und Welt brauchen, damit sie innerlich nicht tot sind, sondern voller Leben.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Als Mitbürger der Heiligen und als Hausgenossen Gottes rufen wir zu unserem Herrn:


+ für alle Christen in den verschiedenen Konfessionen:
lass sie immer mehr zur Einheit in der Vielfalt zusammenwachsen ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

+ für alle, die in der Kirche ein Amt ausüben:
schenke und erhalte ihnen den Geist des Dienens
und gib ihnen den Mut, auch neue, unbekannte Wege zu gehen ...

+ für die Kranken, Behinderten und die alten Menschen
in unserer Gemeinde:
gib ihnen Kraft in den Beschwernissen und treue Menschen an ihre Seite ...

+ für uns selbst:
lass uns immer wieder über unseren Kirchturm hinausblicken
und nach Kräften Not lindern und beheben ...

+ für unsere Verstorbenen:
schenke ihnen Wohnung in deinem himmlischen Reich
und lass sie bei dir glücklich sein ...

Vater, du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Dafür nimm unsren Dank entgegen heute und alle Tage unseres Lebens, jetzt und in der Ewigkeit. Amen