Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, Lesejahr C

15.08.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Herrlich sagen wir vom Wetter, vom Essen, vom Urlaub und meinen etwas, was uns glücklich macht. Von Herrlichkeit spricht auch die Bibel. Die Herrlichkeit Gottes ist Inbegriff all dessen, was Gott ist und was er für uns sein will: Feuer und Licht, Hoheit und Macht,
Glück Frieden und Leben.
Seit seiner Auferstehung ist Jesus Herr der Herrlichkeit. Er wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes. Was in diesem Wort aus dem Philipperbrief allen Gläubigen verheißen ist, das hat sich bereits erfüllt an Maria, dem Urbild glaubender und hoffender Menschen. Leib und Seele hat Gott sie in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen. In dieser Feier preisen wir ihn, der Großes an Maria getan hat
und der auch uns mit seiner Gnade umfängt.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 1,39-56 )

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, / und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan / und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht / über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron / und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben / und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an / und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat, / Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

 

Predigt/Ansprache

Mariä Himmelfahrt sagt man, Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen -
sagt die Kirche.
Was wird da eigentlich gesagt? Was sollen wir mit dieser Aussage anfangen?
Andere Stationen auf dem Lebensweg von Maria sind uns näher, sind dem Herzen näher: das junge Mädchen, vom Geheimnis berührt; die Mutter von Bethlehem und Nazareth, die alles Unverständliche im Herzen bewahrt; die Frau, die ihrem Sohn auf seinen Wegen folgt und darum ringt, ihn zu verstehen, wo er ihr scheinbar immer fremder wird; die Mutter, die unter dem Kreuz aushält und dann den verbluteten Leichnam ein letztes Mal in ihrem Schoß hält;
die einsame Frau, die noch ein Leben lang über ihn nachdenkt und über ihn erzählt.
Das berührt unser Herz; da ahnen wir, wie sie Mutter aller Glaubenden ist. Für mancher ist dieser Glaube wie ein freundliches Licht, leicht und geschenkt; für andere ist er wie Nacht und Wüste, ein schwieriges Trotzdem. Die Wege des Glaubens sind verschieden; aber wie diese Wege auch sind, wir entdecken darin Wege wieder, die Maria gegangen ist, sei es über den Frieden von Nazareth oder sei es durch die Nacht von Golgatha.
Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen - wir stehen diesem Dogma, das am 1. November 1950 durch Papst Pius XII verkündet worden ist, etwas ratlos gegenüber.
Jedes Dogma ist ein Ringen, etwas vom Geheimnis Gottes in unseren Worten zum Ausdruck zu bringen. Worte sind oft genug unzulänglich, tragen die Spuren einer bestimmten Zeit; die Sprache ist immer kleiner als das Geheimnis, von dem sie spricht.
Der Ausdruck in den Himmel aufgenommen ist uns noch einigermaßen klar, denn wir haben gelernt, dass wir uns trotz aller christlichen Kunst, die golden oder tiefblau den Himmel malt,
nichts vorstellen können und sollen. Einen Himmel, ein Haus, das man sich nicht räumlich vorstellen kann, das verstehen wir noch.
Mit Leib und Seele in diesen unvorstellbaren Raum aufgenommen. Auch da ist die Sprache einer bestimmten Zeit geringer als das Geheimnis. Leib und Seele - das heißt der ganze Mensch, die ganze Person, die nicht nur als Seele existiert, sondern lacht und weint, isst und trinkt; der ganze Mensch, der greifbar ist in der Welt; die ganze Existenz von Maria ist nicht verloren gegangen. Das kann man sich nicht vorstellen. Das ist ein Geheimnis, größer als unsere Phantasie und größer als unsere Sprache.
Uns Christen ist oft genug vorgeworfen worden und wird weiterhin zum Vorwurf gemacht,
dass wir zu leicht über die Welt denken, weil wir einen Himmel erwarten. Wir wären deswegen nicht gewillt, die gegenwärtige Welt zu verbessern. Mag sein, dass dieser Vorwurf zutraf und auf manche Christen noch zutrifft. Mag sein, dass es im Christentum Strömungen
gab und noch gibt, die das Leben auf Geist und Seele reduzieren wollten und die Welt und den Körper für schlecht gehalten haben, aber sie wurden immer wieder verurteilt.
Gerade weil die Kirche an einen Himmel glaubt, müssen wir die Welt ernst nehmen.
Wenn dieser Glaube nicht wäre, dann wäre eine Hoffnungslosigkeit in allem, das wir tun.
Ich lebe, ich arbeite, ich lache, ich weine, ich atme, ich denke, ich sehen die Menschen, lache mit ihnen und weine mit ihnen, ich liebe sie, ich liebe das Leben: ich bin ich, ich bin Leib und Seele und das alles ist gut, so gut, dass es bei Gott aufbewahrt werden kann; dass es nicht wirklich stirbt, sondern aufgenommen werden kann.
In Maria, einer von uns, ist das gezeigt. Was wir feiern ist ein Versprechen an uns alle, ist ein Fest der Lebensbejahung, des Lebens, nicht nur als Seele, sondern als Seele und Leib.
Das Geheimnis des Lebens bejahen, in seiner Ganzheit annehmen - was heißt das? Bejahe ich das Leben, wenn ich alle Momente genießen will? Bejahe ich es, wenn ich nicht sehen will,
dass das Ganze als ungeformte Aufgabe vor mir liegt, das nach Ordnung und Gestalt drängt?
Bejahe ich das Leben, wenn ich die Freiheit eines Vogels suche, dem Augenblick ausgeliefert, vogelfrei? Sehe ich wirklich, wenn ich nur mich selbst sehe? Höre ich gut, wenn ich die leisen Stimmen, die mich anflehen, überhöre und den Aufschrei der Menschen in Not übertöne?
Gehe ich richtig, wenn meine Wege nur um mich selbst kreisen?
Das Leben hat dunkle Abgründe: der Leibes, der Triebe, der Seele; es gibt auch das Geheimnis des Bösen und Dinge im Leben, die man nicht bejahen kann, weil sie dem Leben widersprechen, es umbringen. Wirkliche Lebensbejahung ist auch Bejahung der Grenzen,
geht durch Leid, geht den Weg, den Jesus gegangen ist. Es ist Nachfolge Jesu: also Leben verlieren, um es zu gewinnen. Auch das wird uns an diesem Fest gesagt: auch der schwierige Lebensweg ist nicht umsonst. Das Kreuz führt zum wirklichen Ganzen.
Nur so gesehen wird es ein Fest für uns alle: die frohen und die traurigen, die zweifelnden und die hoffenden; nicht ein Fest der Lebensgenießer, der Großen und der Mächtigen, sondern ein Fest der Kleinen, die Errettung nötig haben, der Hungernden nach Gaben, die Gott gibt.
Dann wenn wir IHM dienen im Versuch heilig und gerecht zu sein, kann ER uns auch die Erfahrung des Heils schenken. Aus dieser Zusage heraus können wir unseren Alltag bestehen
hier und jetzt und morgen; aus dieser Zusage heraus können wir Leben und Tod bestehen....

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Maria hat in ihrem irdischen Leben Sorgen und Nöte erfahren, die auch heute auf Menschen lasten.
Wir dürfen auf ihre Fürsprache vertrauen, wenn wir jetzt zum Vater im Himmel beten:


* wir beten für die Frauen und Männer, die einen besonderen Ruf Gottes hören und sich von ihm ganz in Dienst nehmen lassen.

Gott, unser Vater ... Herr, erbarme dich.

* wir beten für die Mächtigen dieser Welt, die Verantwortung tragen für den Frieden, für Gerechtigkeit und das Wohlergehen der ihnen anvertrauten Menschen

* wir beten für jene Paare, die auf ein Kind hoffen, und auch für jene, deren Lebensplanung durch die Ankunft eines Kindes durcheinander gerät.

* wir beten für alle Eltern, die den Tod eines Kindes ertragen müssen

* wir beten für uns selbst und für die Menschen, die zu uns gehören, denen aufgetragen ist, das Leben im Alltag anzunehmen und zu gestalten.

Gott, unser Vater, in Maria zeigst du, zu welch hoher Würde du den Menschen berufen hast.
Mit ihr preisen wir dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen

 

Segensgebet

Segen über Kräuter und Blumen


Die Legenden vom Tod Mariens berichten: Als die Jünger zum Grab kamen, um den Leichnam Mariens zu ehren, fanden sie keinen Leichnam und keinen Verwesungsgeruch, stattdessen duftende Blumen und Kräuter. In Erinnerung daran werden heute Blumen gesegnet.

Segne, Gott, die Kräuter und Blumen, die wir bringen.
Segne uns und schenke uns Freude.

Segne unsere Sehnsucht nach Gesundheit an Seele und Leib.
Segne uns und schenke uns dein Heil.

Segne, was krank ist unter uns und erfülle uns mit dem Vertrauen, dass du alles zu einem guten Ende führen wirst.
Segne und begleite uns.

So segne euch der gütige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist