Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr C

11.01.2003



Einleitung in die Eucharistiefeier

Mit dem Gedächtnis der Taufe Jesu wird der Weihnachtsfestkreis abgeschlossen. Das Geheimnis des dreifaltigen Gottes tut sich in der Erzählung des Evangelisten vor uns auf.
Der Vater im Himmel stellt uns im Menschgewordenen seinen lieben Sohn vor und der Geist erfüllt den Sohn mit der Kraft, die ihn gehfähigen wird, den Weg der Erlösung zu gehen um unsretwillen. Der Sündlose stellt sich auf die Seite der Sünder.
ER will unser Anwalt sein bei Gott.
Darum rufen wir IHN um Erbarmen an und preisen IHN als unseren Herrn.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 3,15-16.21-22 )

In jener Zeit war das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Predigt/Ansprache

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ sich auch Jesus taufen. Martin Luther übersetzt diesen Text so: und es begab sich, dass alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch...
Und Jesus auch - wie ein x-beliebiger stellt er sich in die Reihe der Sünder- verborgen und unerkannt geht ER zu dem, der in der Öffentlichkeit und mit großer Anerkennung wirkt, ja der selbst für den Messias gehalten wird, und der doch nur Vorläufer ist.
Johannes tauft mit Wasser; der, der nach ihm kommt, wird taufen mit Feuer und dem Geist Gottes. Die Begegnung von Johannes und Jesus am Jordan ist einmal eine Nahtstelle zwischen Israels Erwartung und dem Erscheinen des Messias, zwischen Verheißung und Erfüllung der Prophezeiungen, zwischen altem und neuem Gottesvolk.
Diese Begegnung ist aber auch Bruchstelle, weil das Neue, das mit Jesus beginnt,
das Alte nicht einfach fortsetzt, sondern radikal überbietet: der Himmel öffnet sich, das heißt: Gott selbst tritt sichtbar und hörbar aus der fernen Unnahbarkeit.
Bewußt greift der Evangelist die Worte aus dem Propheten Jesaia auf: Seht, mein Knecht, den ich erwählt habe. Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Dieser Sohn lebt mit den Geknechteten. ER hat sich erniedrigt in der Geburt weil ER uns nicht mit der Macht der Gottheit erdrücken wollte. ER blieb nicht der Unnahbare, sondern in der Not will ER ganz nahe sein. ER will mit den Schuldiggewordenen leben und ER wird für sie sterben. Ähnliches ereignet sich bei jeder Taufe. Der Getaufte wird hineingestellt in das Lebensprogramm des Herrn: er ist von Gott geliebtes Kind. Auch unsere Taufe ist Nahtstelle und Bruchstelle zugleich. Nahtstelle für Gottes Treue, der der Schöpfer des Lebens ist und zum bleibenden Leben führen will, das durch keinen Tod mehr zerstört wird. Und die Taufe ist Bruchstelle, weil sie daran erinnert, dass etwas völlig Neues beginnt: Neuschöpfung, die Gott wirkt, geheiltes Leben, weil Schuld vergeben wird, Leben, das nicht ausgerichtet ist an den Normen dieser Welt, sondern das Maß nimmt am Beispiel Jesu. So wie Jesus werden wir in der Taufe an Gott gebunden und zugleich an die Mitmenschen.
Unser Leben ist Antwort auf die Taufe: Zustimmung oder Ablehnung.
Dass Gott sagt du bist mein geliebtes Kind ist das eine, eine Auszeichnung, unverrückbar und lebenslang gültig. Sich dieser Auszeichnung würdig zu erweisen, ist das andere - eine lebenslange Aufgabe.
Tertullian, ein Theologe aus dem zweiten Jahrhundert, hat es so formuliert: fiunt Christiani non nascuntur, wird sind nicht als Christen geboren, wir werden es erst durch unser Leben.
Die Aufgabe, Christen zu werden, liegt immer wieder vor uns, jeden Tag neu.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Zu Christus, der uns in der Taufe befähigt hat, unserer Zeit die Gegenwart des Gottesreiches zu bezeugen, rufen wir:


* für alle, die mit uns getauft sind und der einen Kirche angehören.

Herr, fördere alles Mühen um die sichtbare Einheit deiner Gläubigen und in der Gemeinschaft des Mahles...
Christus, du Sohn des lebendigen Gottes, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

* für alle, die nach dem Glauben suchen und für alle, die sich von deiner Botschaft angesprochen wissen.

Herr, verhilf ihnen zu klarer Entscheidung und zur Treue ...

* für alle, die die Geburt eines Kindes erwarten und zugleich darum bangen.

Herr, bestärke sie in der Behutsamkeit für das Geschenk des Lebens ...

* für alle, die in der Schnell-Lebigkeit unserer Tage den Boden unter den Füßen zu verlieren drohen.

Herr, bewahre in ihnen das Grundvertrauen, dass du auf der Seite der Menschen bist und keinen fallen läßt ...

* für jene, deren Leben unter uns zu Ende geht.

Herr, wandle ihr Leiden und Sterben in die Fülle des Lebens bei dir ...

Getreuer Gott, du hast in deinem Sohn unser Schicksal geteilt. Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen