1. Weihnachtstag, Lesejahr C

25.12.2003



Einleitung in die Eucharistiefeier

Um den Gabentisch Gottes versammelt feiern wir sein einzigartiges Geschenk an uns:
seinen Sohn Jesus Christus, der für uns geboren ist.
Staunend stehen wir an der Krippe; staunend, dass Gott sich so klein macht und einer von uns wird. Staunend, dass dieses Kind unser Retter ist, der uns durch die Nacht des Todes das Licht des Lebens schenkt.
Wir grüßen IHN, Kind und Herrn zugleich, in unserer Mitte als den Lebendigen, der zu unserem Heil gekommen ist...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 1,1-18 oder Joh 1,1-5.9-14 )

Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden / und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben / und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis / und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, / kam in die Welt.
Er war in der Welt / und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum, / aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt / und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, / die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, / voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, / Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Predigt/Ansprache

Wir haben gestern die vertraute Weihnachtsgeschichte von der Geburt im Stall gehört und von der Suche der Hirten in der Nacht. Wir haben gestern die Kerzen am geschmückten Tannenbaum angezündet. Wir haben vielleicht an frühere Familienfeste zurückgedacht, an vertraute Menschen, die schon gestorben sind; an Freunde, die weit weg wohnen und mit denen wir uns dennoch verbunden wissen.
Hat all das Wunderbare und Geheimnisvolle der Heiligen Nacht überhaupt noch Bestand am Morgen? Ich denke an das Kind in der Krippe... am hellen Tag leuchtet uns im Evangelium eine ganz andere (strahlende) Wirklichkeit entgegen.
Dabei erinnert sich der Evangelist Johannes ebenfalls an frühere Zeiten. Doch seine Gedanken reichen viel weiter zurück als an die Familienfeste seiner Kindheit. Er denkt zurück an den Ursprung der Menschheit, ja an den Anfang der Geschichte Gottes mit der Welt überhaupt. Ganz zu Beginn, als noch nichts war, als die Urflut alles bedeckte, als noch keine Lebewesen existierten, da gab es bereits das Wort, das schöpferische Wort Gottes. So heißt es auf der ersten Seite der Bibel: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Gott sprach: es werde ... und es wurde. Es ist also Gottes schöpferisches Wort, das der Welt zum Dasein verhilft. Daran knüpft Johannes an .
Doch ich frage mich: was können wir angesichts der Urknall-Theorie und der heutigen Wissenschaft mit dem biblischen Zeugnis vom schöpferischen Wort noch anfangen? Ja selbst für die persönliche Lebensgeschichte finden viele Menschen andere plausible Begründungen. Vieles wird heute mit dem Prinzip Zufall erklärt. Es war ein Zufall, dass man dem jeweiligen Partner begegnet ist. Oder welchen Beruf man ergriffen hat. Oder welche Wohnung man genommen hat. Was bestimmt nun unsere Geschichte? Sollen wir frei nach Goethes Faust nach einem anderen Begriff für das suchen, das unser Leben ausmacht und begründet?
Im Anfang war der Zufall.
Und der Zufall war bei Gott.
Alles ist durch den Zufall geworden und ohne den Zufall wurde nichts, was geworden ist? Wie sollen wir uns das vorstellen?
Unser ganzes Leben ein bloßer Zufall? Unser Leben ohne Sinn und Ziel? Das hört sich unheimlich an.
Im Anfang war das Wort, trotz aller Verständnisschwierigkeit liegt das doch näher.
Am Beginn unserer Geschichte steht etwas sehr Persönliches. Wenn man miteinander spricht, dann erst beginnt eine persönliche Beziehung. Dann erleben wir die Nähe zu einem Menschen. Dann erfahren wir im Austausch der Worte Sympathie, Zuwendung und Vertrauen.
Gott spricht zu uns Menschen. Was er zu sagen hat, tut uns gut: Leben und Lebendigkeit, Licht und damit Orientierung, Kenntnis und Durchblick werden eröffnet.
Ganz ohne romantisches Kerzenlicht holt Johannes den Anfang des Lebens hell und klar in das Fest herein: Gott wirkt wie damals am Anfang der Welt. Er wird Mensch, damit er noch besser mit uns ins Gespräch kommen kann. Das ist eigentlich schon Fest genug. Es ist kein Zufall, dass Gott sein Wort in die dunkelste Zeit hinein spricht. Das Wort soll uns leuchten in allen Dunkelheiten des Lebens. Finsternis und nachtschwarze Dunkelheit gibt es bis zum heutigen Tag genug auf der Welt, auch in unserem eigenen Leben.
Wer kennt sie nicht: die dunklen Stunden der Enttäuschung und Verletzung? den schwarzen Tunnel der Angst und Ungewissheit? die finstere Nacht der Traurigkeit und Einsamkeit? Die harten Zeiten der Trennung und des Todes von geliebten Menschen?
Es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade in der dunkelsten Nacht des Jahres Gott zu uns sein lichtvolles Wort spricht. Er setzt damit einen neuen hellen Anfang. In die schwarzen Fluten und Wirrnisse der Welt hinein strahlt nun ein Licht der Hoffnung.
Mit der Menschwerdung bleibt die Geschichte der Welt eben nicht dem Prinzip Zufall überlassen, denn Gott interessiert sich für uns: ER möchte, dass der gute Anfang weitergeht. Darum will er unter den Menschen wohnen. Interesse ist aus dem Lateinischen zu übersetzen vielleicht mit dabei sein, mitten zwischen drin sein, sich nicht teilnahmslos heraus halten.
Dieses Licht taucht uns in eine Wärme ein, die kein Ofen schafft und kein Kerzenlicht. Dieses Licht taucht uns in eine Wärme ein, die uns geborgen sein lässt, auch wenn die Weihnachtsbäume wieder abgeräumt sind.
Dieses Licht wird bleiben, wenn .. wenn man bereit ist, IHN aufzunehmen; wenn man erlaubt, dass ER dazwischen sein darf, mit dabei; wenn man gestattet, dass ER nicht teilnahmslos draußen bleiben muss, sondern hereinkommen darf wie ein lieber Gast, auf den man sich freut, mit dem man sich austauschen will, mit dem man das Gespräch dort weiterführt, wo man es beim letzten Mal beendet hat...
Wo SEIN Interesse an mir von mir zugelassen wird, da kann ER sein Zelt aufschlagen, da kann ER Wohnung nehmen in mir, und da werde ich erleben täglich mehr und mehr, dass ich empfange aus SEINER Fülle Gnade über Gnade. Amen

 

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

In der Freude über die Geburt unseres Herrn Jesus Christus rufen wir zu ihm, dem Licht der Welt:

alles ist durch das Wort geworden.

 Wir bitten um die Bewahrung der Schöpfung und um die Lebensfülle für alle Geschöpfe...

Christus, du Sohn des lebendigen Gottes ... Herr, erbarme dich ...

und das Licht leuchtet in der Finsternis.

 Wir bitten um Wege zu Versöhnung und Frieden für die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten unserer Erde...

er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

 Wir bitten um die Gabe des Glaubens für alle, die offene Fragen haben und die von Herzen suchen...

allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu werden.

 Wir bitten um die Gabe der Freude und der Treue für alle, die mit uns den Namen Jesu Christi tragen...

und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

 Wir bitten um das dankbare Staunen darüber, dass wir Mensch sind und Mensch sein dürfen und das Gleiche unserem Mitmenschen zugestehen können...

aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.

 Wir bitten um die Erfüllung aller Sehnsucht für unsere Verstorbenen und für alle Toten...

Gott, dein Sohn, der dein ewiges Wort ist, hat uns Kunde von dir gebracht.
Dafür danken wir dir und preisen dich.
Durch ihn wird dir Lob und Ehre jetzt und in der Ewigkeit. Amen