2. Sonntag der Osterzeit / Weisser Sonntag, Lesejahr C

18.04.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zu diesem Gottesdienst, in dem 45 Kinder aus unserem Stadtbezirk in die Tischgemeinschaft der Kirche aufgenommen werden.
Was in ganz einfachem Rahmen am Gründonnerstag geschehen ist, als die Kinder zum ersten Mal zur Kommunion gegangen sind, soll in diesem Gottesdienst groß gefeiert werden, zusammen mit den Familien der Kinder, ihren Freunden und Freundinnen und mit der Gemeinde, zu der die Kinder gehören.
Seien Sie alle willkommen als Brüder und Schwestern des einen Herrn, der uns alle an seinen Tisch lädt. Ich lade Sie ein, diesen Gottesdienst mitzufeiern, indem Sie die Lieder auf dem ausgelegten Blatt von Herzen und mit Kraft mitsingen und mitbeten.
Denn Gottesdienst ist Aktion aller und nicht Vorführung einiger und eine Zuschauerrolle der übrigen.
Ganz besonders begrüße ich natürlich euch, die Erstkommunikanten.
Ihr steht heute in euren Familien und auch hier in der Kirche im Mittelpunkt. Alles dreht sich um euch, so dass ihr vielleicht gar nicht mehr wisst, wo euch der Kopf steht:
Besuch ist gekommen, zum Teil gestern schon und auch von weit her, die neuen Kleider und Schuhe, die Krawatte oder die Fliege - das ist alles so ungewohnt, dass es schon durcheinander bringt und aufgeregt sein lässt.
Ihr steht im Mittelpunkt, so habe ich gesagt - aber ich muss mich sofort korrigieren. Ein ganz anderer steht im Mittelpunkt: Jesus Christus, der uns auf unserem Weg bisher begleitet hat und auch weiterhin begleiten soll. ER hat uns eingeladen seine Gäste zu sein. Mit Brot und Wein will er die Kraft zum Guten in uns stärken, er will uns wandeln, damit wir miteinander und füreinander gute Freunde sein können.
So wollen wir jetzt ruhig werden und uns auf diese Feier einstimmen.

Predigt/Ansprache

Beim Einzug in die Kirche hierauf in den Hochchor seid ihr alle an dem Haus vorbeigezogen, das bei unseren Gottesdiensten mit euch entstanden ist.
Erinnert euch: beim Vorstellungsgottesdienst haben wir sozusagen den Grundstein gelegt:
Achtung voreinander, Hilfe füreinander, Vertrauen und Treue haben wir da genannt als ganz wichtiges Fundament, ohne dass jede Gruppe auseinander fällt.
Nach unserem Beichtgespräch haben wir die Mauern des Hauses errichtet. Jeder von uns mit seinem Namen und auch mit einem Foto von sich hat dazu beigetragen, dass ein großes Haus entstanden ist.
Und beim Versöhnungsgottesdienst haben wir daran erinnert, dass ein Haus Türen brauchen und Fenster, damit man hinein und herausgehen kann, dass frische Luft und Licht in das Haus kommen können.
Was unserem Haus damals fehlte, war das Dach. Ohne Dach regnet es herein, fällt der Schnee in die Wohnung und sind wir der Sonnenhitze ausgesetzt so als wären wir im Freien. Jetzt ist ein Dach über dem Gebäude und alles scheint fertig zu sein.
Wir haben auch daran erinnert, dass Haus auch ein Symbol ist: Zeichen für eine Familie, für eine Gruppe von Menschen, für eine Gemeinde und auch für unsere Kirchengemeinde.
Über dieses Symbol Haus will ich mit euch kurz nachdenken. Bleibt also bitte aufmerksam und auch geduldig.
Wenn das Haus ein Symbol für unsere Gemeinde, für unsere Kirche ist, dann müssen wir nach unserem Fundament fragen. All die Bezeichnungen, die auf den Grundsteinen unseres Schuhkartonhauses stehen sind Lebenshaltungen, die uns Jesus vorgelebt hat.
Achtung voreinander und Hilfe füreinander: wie er geholfen hat, wie er die Menschen, die an den Rand gesetzt waren, beachtet und in die Gemeinschaft hereingeholt hat, das ist schon sehr beispielhaft.
Und da haben wir alle schon längst erkannt, dass wir als Menschen, die sich Christen nennen, das nachleben sollen, das Jesus uns vorgelebt hat: Dass man im anderen das Gute sieht, dass man ihm vertraut und treu zusammensteht, das sind weiter solche Eigenschaften, die Jesus uns aufgetragen hat.
Jetzt mache ich einen Sprung vom Fundament gleich hin zum Dach. Dach bedeutet Schutz, für Schutz gibt es auch das Wort Segen. Und Segen schenkt uns Gott. Wir können den Segen nicht machen, er ist ein Geschenk, das der Vater im Himmel gibt. Er hat freilich versprochen, mit seinem Segen gegenwärtig zu sein, wo Menschen von diesem Jesus lernen.
Und komme ich zu dem, was zwischen Dach und Fundament liegt: die Mauern eines Hauses, die es an manchen Stellen geschlossen sein lassen und an manchen Stellen offen.
Die Mauern bilden wir alle: mit unserem Namen und unserem Leben, mit unserem Aussehen, mit dem, wie wir leben.
Ihr wisst: es gibt freundliche Häuser und unfreundliche. Wenn ich eingeladen bin von meinem Freund oder meiner Freundin, aber nicht mit ihnen spielen darf: hört endlich auf zu toben; die Wohnung ist kein Spielplatz, wenn wir hier malt, verkratz ihr den Tisch, ihr verkleckert mit euerer Farbe den Teppich, das gibt Flecken, die gehen nicht wieder raus!
Da ist alles: du darfst nicht, du sollst nicht, pass auf, gib Acht! Nein da fühlen wir uns nicht wohl. Ihr kennt das? Da geht man nicht gerne hin.
Manche sagen nun: in der Kirche sei es ähnlich! Immer nur: da darfst nicht, du sollst nicht, passt auf, gib Acht! Und manche denken dann, da gehe ich lieber nicht hin.
Aber so ist es nicht. Da bist zu eigentlich eingeladen: mach was! mach's bunt, damit es fröhlich wird. Mach wie du es kannst, damit es nicht einseitig wird. Machs mit deinen Fähigkeiten, die du hast.
Gemeindeleben ist bunt, wenn ganz verschiedene sich daran beteiligen. Und es fällt nichts auseinander, weil es ein gemeinsames Fundament gibt und ein gemeinsames Dach über allem.
Mach mit und probierst! und du wirst sehen: es geht und es klappt, und es wird gut.
Jesus macht uns dazu Mut. Wir haben das Gleichnis gehört. Wer meine Wort hört und danach handelt, der gleicht einem Menschen, der die Erde aushob und das Haus auf ein festes Fundament stellte. Ein solches Haus wird einer Flutwelle standhalten.
Manchmal denke ich, wir haben das Haus unseres Glaubens auf kein tiefes Fundament gesetzt.
Da kommt etwas und bringt uns durcheinander, und schon geben wir den Glauben auf.
Wir gleichen oft Menschen, die Gottes Wort vielleicht hören, aber uns nicht danach richten.
Und es kommt nicht hinzu eine Erfahrung. die auch ihr kennt: wir wollen gar nicht hören.
Wenn euch die Eltern etwas auftragen: hilf mir bitte dabei! Deck bitte den Tisch! Nimm mal bitte das Telefon ab! Dann hören wir zwar, was andere uns bitten, aber wir tun so, als hätten wir nichts gehört und haben eine Ausrede parat.
Jesus kennt die Menschen ziemlich gut. Darum hat er dieses Gleichnis genommen und seinen Zuhörern erklärt. Heute sind wir seine Zuhörer. Wie werden wir uns verhalten?
Hören und nicht danach handeln? Oder hören und wenigstens probieren so zu handeln?
Es ist eine Frage auch und gerade an Sie, die Eltern der Kommunionkinder und an uns, die Erwachsenen.
Was werden wir vorleben den Kindern, die hineinwachen sollen ins Leben und seine Bezüge, die hineinwachsen sollen in den Glauben, und seine Ausgestaltung, in das, wie wir Kirche hier am Ort gestalten?
Das Fundament ist uns gegeben und das Dach, das uns alle eint und schützt. Der Raum dazwischen ist unser Bereich, den wir gestalten können.
Denken Sie zurück an die Legende von den zwei Mönchen. Sie waren in ihrer Zelle nicht zufrieden, mürrisch über ihr Leben und seinen Gang. Da gebe es doch einen Ort, wo alles gut sei, wo sich Himmel und Erde berühren. Sie suchen diesen Ort und landen am Ende wieder an ihrem Ausgangspunkt.
Die Bewährung unseres Glaubens liegt nicht im Außergewöhnlichen, sondern im ganz Alltäglichen. Dieser Ausspruch eines Wiener Therapeuten, sagt etwas ganz wichtiges aus:
nicht am Ende der Welt, wo alles ganz anders ist, finde ich den Punkt, wo Himmel und Erde sich berühren, wo anscheinend alles gut sei, sondern in meinem Alltag, an der Stelle, die mir zugewiesen ist.
Dass Sie, liebe erwachsene Brüder und Schwestern, sich mit ihrem Glauben bewähren, nicht im Außergewöhnlichen, sondern im stinknormalen Alltag, das wünsche ich Ihnen und mir und auch für die Kinder hier. Dort wo wir alle uns einsetzen lassen als Steine in dieses Bauwerk und jeder seinen Platz übernimmt, da kann Kirche entstehen und wachsen: offen und einladend wie die ausgestreckten Arme des barmherzigen Vaters, bergend und schützend und Freiräume schenkend. Da könnte eine Kirche sein...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Segensgebet

Herr Jesus Christus, du bist das Fundament, auf das die Kirche ist.
Du bist der Eckstein, der den ganzen Bau zusammenhält.
Hilf uns allen, das Fundament immer tiefer zu erkennen und zu verstehen, damit wir daran uns festhalten im Bau unseres Lebens.
Sei du in unserem Leben gegenwärtig mit deiner Liebe und Freundlichkeit, mit deiner Achtung und Treue.
Lass uns deine Gegenwart spüren und davon angesteckt werden für unseren Lebensplan.
Darum bitten wir dich, der du lebst und wirkst jetzt und in alle Ewigkeit.
Gott, mit Brot und Wein bringen wir uns selbst. Lass uns mit diesen Gaben verwandelt werden in Glieder deines Leibes, die voll Mut und Kraft den Weg gehen, den Jesus uns gezeigt hat. Lass uns durch ihn zu einem Leben in Fülle gelangen. So bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
Gott, du lädst uns immer wieder ein in deine Nähe zu kommen.
Du bist der Raum für alle, die sich nach Frieden sehnen und nach Geborgenheit.
Hilf uns, weiterzuschenken in unserem Alltag, was du uns gegeben hast:
deine Freundlichkeit und deinen Güte. So bitten wir durch Christus, unseren Herrn.