Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr C

10.01.2010



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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (15-16.21-22)

Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,
und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Predigt/Ansprache

Liebe Gemeinde,

eine Geschichte aus Bolivien erzählt vom Land der Brunnen.
Es ist von einem hohen Berg aus zu sehen, dieses Land.
Diesen hohen Berg nennt man den König der Berge.
Und im Inneren dieses Berges gibt es ein Geheimnis - davon gleich.

Wenn man vom Berg in das Land schaut, wundert man sich, denn es ist
wüst und öde, obwohl es viele Brunnen gibt.
Aber diese Brunnen sind versiegt, verstopft, zugeschüttet mit Steinen
und allem möglichen Unrat.
Eines Tages beginnt der älteste Brunnen nachzudenken:
Wozu bin ich denn überhaupt da, wenn ich kein Wasser gebe?
Er holt Schutt und Steine, alles, was ihn verstopft hält, aus sich heraus und
findet in seiner Tiefe die Quelle, die immer noch Wasser gibt.
Das Wasser steigt in ihm immer höher, bis es über den Brunnenrand sprudelt.
Da beginnen auch die anderen Brunnen, alles aus sich herauszuwerfen,
was sie verstopft, obwohl sie den alten Brunnen anfangs belächelt hatten.
Und was ihm gelang, gelingt auch ihnen: Bald sprudeln alle Brunnen wieder,
und das Land wird grün und blüht.
Doch woher kommt das Wasser, das in all diesen Brunnen fließt?
Die Brunnen finden heraus, dass das Wasser in ihnen aus einem Strom
in der Tiefe gespeist wird.
Alle sind mit ihm und miteinander verbunden.
Doch wo ist sein Ursprung?
Im Inneren des Königs der Berge sprudelt eine Quelle, die nie versiegt, rein
und klar.
Wer dieses Wasser aufnimmt, wer sich füllen lässt, wird ein lebendiger Brunnen.

Sie haben natürlich längst bemerkt, dass diese Geschichte von Gott und
den Menschen erzählt:
Der Berg, aus dem das klare Wasser strömt, ist Gott, die Brunnen sind die
Menschen, die durch den Strom des klaren Wassers mit ihrem Ursprung
in Gott verbunden sind.

Auch das Evangelium hat uns heute eine Geschichte von Gott und Menschen,
eine Geschichte vom Wasser erzählt:


Jesus kommt zusammen mit vielen anderen an den Jordan und wird von
Johannes getauft.
Er hört nach der Taufe eine Stimme aus dem Himmel:
»Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden«
Jesus kommt wie viele andere auch zu Johannes.
Er hätte ja auch denken können, dass er es nicht wie die anderen nötig hat
zu zeigen, dass er mit Gott leben möchte. Gerade das will er aber nicht.
Er will sein wie die anderen gläubigen Menschen zu seiner Zeit, er will nichts
Besseres sein, nichts Besonderes.
Er geht zu Johannes und steigt wie alle anderen in den Fluss.
Damit zeigt er, dass er in unser Menschenleben hineingehen will - wir haben
es ja gerade erst in den Weihnachtstagen gefeiert -, dass er ein Mensch
sein will, einer von uns.
Wenn in der Kirche Menschen getauft werden, zeigen sie damit, dass sie
als Christen leben wollen.
Taufe bedeutet: Wir gehen in das Leben Jesu hinein, in Tod und Auferstehung.
Er in unserem Leben, wir in seinem Leben - sein Leben in uns,
unser Leben in ihm.

Die Geschichte vom Land der Brunnen zeigt uns, dass das Wasser des
Lebens in jedem, in jeder von uns, fließt.
Gott liebt jede und jeden Einzelnen.
Nicht alle spüren das so recht; die Brunnen sind verstopft und zugeschüttet.
Doch die Quelle fließt ganz tief in jedem Brunnen; die Verbindung
ist noch da, auch wenn sie z.Z. nicht an die Oberfläche kommt.

Wir denken und sagen manchmal, dass Menschen durch die Taufe zu
Kindern Gottes werden.
Gleichzeitig glauben wir aber doch auch, dass Gott alle Menschen liebt.

Jesus hat das ganz besonders tief gespürt.
Jesus hat diese Stimme gehört, die ihm sagte: »Du bist mein geliebter Sohn«.
Diese Liebe Gottes gibt er weiter an die Menschen, die ihm begegnen,
die mit ihm leben (- so auch an uns.)
Sie können bei ihm das reine, klare Wasser schöpfen - und es ist so viel davon
da, dass der Brunnen überquillt und das Wasser sich überall hin ausbreitet. -
Jesus hat sich dazu entschieden, sich von Johannes taufen zu lassen um damit
den Menschen zu zeigen, dass er aus der Liebe Gottes lebt.

Gott liebt jeden Menschen; wer sich taufen lässt, wer getauft ist, zeigt damit,
dass er aus der Liebe Gottes leben und sie weitergeben möchte an andere
Menschen, dass er so leben will, wie Jesus gelebt hat.
Wer getauft ist, gleicht dem alten Brunnen, der sich auf die Suche macht nach
dem Wasser des Lebens, das in ihm fließt.

Und so muss es auch in unserer Gemeinde sein.
Wir haben schon - oder erst - bis zum heutigen Tag 8 Kandidaten für den
neuen Gemeinderat, der im Frühjahr neu gewählt werden soll, gefunden.
Wir brauchen aber noch weitere sechs.
Es gibt gewiss Leute aus der neuen Generation, die bereit sind, Verantwortung
zu übernehmen, Antwort zu suchen und zu geben auf die Fragen der Zeit.
Bitte melden Sie sich.

Notfalls müssen auch die alten KGR-Mitglieder nochmals kandidieren.
Ich verstehe die Leute, die sagen: „Ich bin jetzt zu alt" oder
„Ich habe so viel dienstlich zu tun - ich kann nicht mehr. Ich habe meinen Beitrag geleistet.
Aber in der Not . . .

Ja, die Gemeinde befindet sich gerade in einem gewissen Notfall.
Aber gerade deshalb müssen Sie jetzt noch enger zusammenstehen,
um den Übergang zu meistern. - - - -
Da hat sich beispielsweise eine junge Frau auf den Weg gemacht, um sich
ausbilden zu lassen als Wort-Gottesdienst-Leiterin.
Ich finde das sehr mutig und sehr löblich und ich hoffe, dass sie hier gut
angenommen wird.
Da hatten wir schon einmal ein Team, dass Taufvorbereitungen gestaltet hat -
dass sollte reaktiviert werden.
Wir haben gute und sehr gute Katechetinnen, die Kinder und Jugendliche
auf Erstkommunion und Firmung vorbereiten.
Ich bitte herzlich, dass diese Teams weiterarbeiten und sich neue Leute dazu
ziehen, mit der Überzeugungskraft des Glaubens.

Ich weiß, dass in puncto Seniorenarbeit , in der Bibliothek , in der Partner-
schaftsarbeit mit unseren Patengemeinden in Südamerika, im Chor, im KiGa
und vielen anderen Gremien, hervorragende Arbeit geleistet wird.
Dafür, und für das vorgenannte, sage ich hier, für mich, aber auch
stellvertretend für die ganze Gemeinde, ganz herzlich Dank.
Vielen, vielen Dank. Sie haben die Hauptamtlichen immer gut entlastet
und der Gemeinde einen guten Dienst erwiesen.
Ich bitte noch einmal ganz herzlich: lassen Sie die Gemeinde auch in Zukunft,
vor allem in der Vakanz jetzt, nicht im Stich.
Und ich bitte noch einmal ganz herzlich diejenigen, die sich bis jetzt noch nicht
an die Front gewagt haben: Entrümpeln Sie Ihre Brunnen!
Entrümpeln Sie sie von Ihren Bedenken, von Ihren Ängsten,
haben Sie Mut !!!
Sie wissen doch: In Ihnen ist eine unversiegbare Quelle!!! - die sie nährt und
erfrischt. - Lassen Sie sie sprudeln!

Wenn keine Brunnen sich auftun - wird das Leben, das Gemeindeleben
verdörren. à Und das wäre jammerschade.
Schade für diese Gemeinde, die ich so aktiv, so spendabel, so mitfühlend,
erlebt habe.

Peter Völkel Diakon in St. Michael