Jahresschluss Silvester, Lesejahr C

31.12.2003



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wieder stehen wir am Ende eines Jahres und ganz unterschiedliche Empfinden bewegen uns.
Dankbar und froh, traurig oder verbittert schauen wir auf das Jahr 2003 - je nach dem, was in in dieser Zeit erlebt haben.
Alles wollen wir dem EINEN anvertrauen, der unsere Zeit in seinen Händen hält:
Gott unserem Herrn, der grenzenlos in seiner Liebe ist.

Erste Lesung (Röm 8, 18-30))

Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.
Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?
Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.
So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.
Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.
Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind;
denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.

Predigt/Ansprache

Wir sind Bettler, das ist wahr - so die letzten Worte, die Martin Luther vor seinem Tod 1546 niedergeschrieben hat.
Wir sind Bettler, das ist wahr - mit diesen Worten trifft er eine Verhältnisbestimmung zwischen uns und Gott.
Der gläubige Mensch ist ein Bettler, der alles von Gott erwartet.
Der Mensch ist ein Bettler, weil er erkannt hat, dass Gott selbst der Geber aller Gaben ist.
Wir sind Bettler, das ist wahr - dieses Wort soll uns begleiten, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern am Übergang von einem alten in ein neues Jahr.
Dem, der uns alles schenkt, empfehlen wir, was hinter uns liegt und auch das, was vor uns liegt.
Dankbar erinnern wir uns heute Abend an viel Schönes, das wir im vergangenen Jahr erleben durften: glückliche Familienfeste, bestandene Prüfungen, beruflichen Erfolg und vieles mehr.
Dankbar erinnern wir uns auch der scheinbaren Selbstverständlichkeiten wie Urlaub, wie Arbeitsplatzsicherheit oder Harmonie im Familien- und Freundeskreis.
In dieser Erinnerung erleben wir, wie sehr wir als Bettler von Gott reich Beschenkt worden sind.

Freilich kennt unsere Rückschau nicht nur fröhliche Stunden.
Oft standen wir im vergangenen Jahr hilflos den Geschicken gegenüber sowohl im persönlichen Leben als auch auf der gesellschaftlichen und weltpolitischen Ebene.
Wir denken an den Irakkrieg, der trotz eines offiziellen Endes noch immer
wie ein Vulkan Feuer und Asche spukt.
Wir denken an die Unversöhnlichkeit im Heiligen Land oder an die große Zahl der Erdbebenopfer im Iran. Hilflos wie Bettler stehen wir solchem Geschick gegenüber.
Wir sind Bettler, das ist wahr - dieser Satz spiegelt sich auch in der eignen Lebensgeschichte.
Eine Krankheit, ein Unfall, eine Trennung, die langandauernde Arbeitslosigkeit
hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, hat unser Leben manchmal grundlegend verändert.
Hilflos wie Bettler stehen wir diesen Umständen gegenüber.
Vielleicht haben wir aber auch gemerkt, wie andere Menschen uns in diesen Stunden zur Seite standen, ein Wort an uns richteten, sich Zeit für uns genommen haben, zugehört, oder für uns gebetet haben.
Wir sind Bettler, das ist wahr - arm und auf die Hilfe anderer angewiesen,
und doch zugleich beschenkt.
Wenn wir uns heute Abend hier versammelt haben, dann sind wir gleichsam Bettler, die wissen, wo es Nahrung gibt: im Wort und im Brot des Herrn.
All das Schöne, aber auch all das Schwere, alles was uns vielleicht noch schmerzt und wehtut, bringen wir zu unserem Gott mit der Bitte, dass ER es zum Guten wendet.
ER ist der Geber alles Guten.
Wir sind Bettler, das ist wahr - dies gilt auch für unsere Zukunft, die im Ungewissen liegt, auf die sich die einen freuen und vor der die anderen vielleicht Angst haben. Auch sie wollen wir Gott anvertrauen.
Da ist es tröstlich, wenn der Apostel Paulus schreibt: So nimmt sich der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen, der Geist selber tritt jedoch für uns ein. Röm 8, 26
Oft genug stehen wir ratlos vor unserer Zukunft und wissen gar nicht, was wir uns wünschen sollen, wie es weitergehen soll.
Aber darauf dürfen wir vertrauen, dass Gott weiss, was wir brauchen.
In der Todeszelle von Tegel hat der Jesuit Alfred Delp
im Januar 1945 mit gefesselten Händen folgende Sätze geschrieben:
Dem Menschen, der seine Bedürftigkeit anerkennt, der die Eitelkeit, die Anmaßung, die Sicherheit von sich tut und sich Gott in seiner nackten Ungeborgenheit vorstellt, dem geschehen Wunder der Liebe und Erbarmung.
Im Blick auf unsere Zukunft gilt es, immer wieder neu unseren Stolz abzulegen
im Vertrauen darauf,dass Gott sich unserer Schwachheit annimmt.
Mit diesem Vertrauen können wir vertrauensvoll in das neue Jahr hineingehen, weil wir wissen, dass Gott sich um uns sorgt.
Wir sind Bettler, das ist wahr - aber zugleich sind wir beschenkt mit seiner Gnade

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, durch den wir alle leben:

im vergangenen Jahr wurden in unserer Kirche 22 Kinder getauft.

Wir wollen beten, dass Leben und Tod des Herrn, auf dessen Namen sie getauft sind,
sie und alle Glaubenden immer stärker präge und sie zum wahren Menschsein führe ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

in unserer Gemeinde wurde 36 Kinder zur Erstkommunion geführt.

Wir wollen beten, dass sie und alle, die an den Gottesdiensten teilnehmen, immer bewusster den Weg der Nachfolge Christi gehen und immer mehr die Liebe weitergeben, die sie empfangen haben ...

in unserer Gemeinde wurden 48 Firmlinge auf die Firmung vorbereitet.

Wir wollen beten für sie und alle, die im Glauben heranreifen, dass das Sakrament der Bestärkung nicht ohne Wirkung bleibe und sie die Verpflichtung zur Lebensgestaltung nach dem Beispiel des Herrn ernst nehmen und für die Freude aus dem Glauben Zeugnis geben können...

aus unserer Gemeinde haben 13 Brautpaare eine kirchliche Ehe geschlossen.

Wir wollen beten für sie und alle, die als Partner ein gemeinsames Leben gestalten,
dass ihre Liebe wachse und nicht nachlasse durch Enttäuschungen,
dass sie gerade da einander Stütze und Halt geben können ...

wir wollen beten für jene Gemeindemitglieder, die als Ordensleute und in einem geistlichen Beruf, als Angestellte in der Seelsorge arbeiten oder als ehrenamtliche Mitarbeiter in der Gemeinde tätig sind,

dass sie Gottes gute Botschaft weitertragen und ihre Aufgabe als demütigen Dienst für ihre Mitmenschen verstehen ...

aus unserer Gemeinde haben sich 24 Personen zum Austritt aus der Kirche entschlossen.

Wir wollen beten für sie, die von der Kirche enttäuscht sind, dass sie sich weiterhin ihm Gewissen verpflichtet fühlen und ihm folgen in der Einstellung zum Leben ...

Männer und Frauen sind wieder in die Kirche eingetreten.

Wir wollen beten für sie, dass der bewusste Neuanfang ihrem Glauben Schwung verleiht und sie aufweckt zu neuem Engagement ...

aus unserer Pfarrei sind 39 Gemeindemitglieder gestorben.

Wir wollen beten für sie und alle Toten:

dass wir sie in guter Erinnerung behalten und Gott ihnen das Gute, das sie getan haben, mit seinem Leben der Fülle lohne ...

wir wollen beten auch für uns selbst:

dass wir die Gelassenheit haben, das hinzunehmen, was wir nicht ändern können;
dass wir den Mut erhalten, das zu ändern, was wir ändern können, und dass uns die Weisheit geschenkt wird, das eine vom anderen zu unterscheiden...

Herr, wir legen das vergangene Jahr in deine Hände zurück.
Nimm du alles entgegen und wandle es durch deinen Segen.
Dir sei Dank und Lob jetzt und in der Ewigkeit. Amen